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28.12.2018

Jahresausblick Aktien 2019: Was sagen die Experten?

Das Jahr 2018 brachte einige Bewegung an die Aktienmärkte. Wir werfen einen Blick auf einige Experteneinschätzungen zu möglichen Entwicklungen im kommenden Jahr.

Jahresausblick Aktien 2019: Was sagen die Experten?

Zum Jahresende geht es nicht nur darum einen Blick auf die zurückliegenden zwölf Monate zu werfen, sondern auch darum zu betrachten, was von den Märkten in 2019 zu erwarten ist. 2018 schien, basierend auf einem starken 2017, ebenfalls positiv zu starten. Der Dow Jones konnte den Trump-Effekt in den Januar mitnehmen und erreichte trotz schwieriger Monate später im Jahr neue Allzeithochs. Die GBP/USD Notierung beendete den Januar bei 1,419 und erreichte mit 1,437 im April den Höchststand. Der weitere Jahresverlauf erwies sich für das Britische Pfund jedoch als schwierig und so wurde im gleichen Monat auch der Abwärtstrend bis zum Jahresende eingeläutet. Mit Blick auf die NASDAQ erlebten wir Apple als erstes Unternehmen überhaupt mit einer Bewertung von 1 Milliarde US-Dollar und der Index selbst schien vor Kraft nur so zu strotzen, bis es im Oktober zu einer harten Realitätsprüfung kam.

Der DAX zeigte einen starken Januar, bevor es im Folgemonat zum stärksten Rückgang des Jahres kam und damit das Schicksal des Index mit einigen leichten Erholungen besiegelt wurde. Der FTSE 100 erklomm im Mai mit 7.903,6 Punkten ein neues Allzeithoch, bevor im August ein stetiger Abwärtstrend begann und die Unsicherheit des Brexits alle positiven Aussichten für die britische Wirtschaft überschattete.

Für 2019 ist der anstehende Brexit jedoch nur einer von mehreren Faktoren, die einen erheblichen Gegenwind für die Aktienmärkte darstellen. So ist auch, trotz des bis März vereinbarten 90-tägigen Burgfriedens, davon auszugehen, dass der Handelskrieg zwischen den USA und China weitergehen wird und es wäre vermessen zu glauben, die beiden Wirtschaftssupermächte seien bereits wieder Freunde. In Europa steht zudem die EZB kurz davor die quantitative Lockerung aufzuheben. Die Käufe der Zentralbank werden bereits Ende Dezember auf 0 zurückgehen. Damit wird ein geldpolitischer Stimulus dem Markt entzogen, welchen viele als wichtigen Beitrag zur Wiederbelebung der Eurozone nach Rezession und Schuldenkrise betrachtet haben. Auch dürfen die US-Zinskurven nicht außer Acht gelassen werden. Fondsmanager blicken auf die zwei- und zehnjährigen Renditen, um die kommende Marktentwicklung ableiten zu können, denn die letzten vier Rezessionen folgten einer Umkehrung der Zinskurve wie man sie zu Monatsbeginn erleben konnte.

Michael Wilson, Chief Strategist bei Morgan Stanley, hat seine Sorgen über die Renditeentwicklungen am US-Anleihemarkt zum Ausdruck gebracht und bemerkt, dass diese „unsere Sichtweise eines endenden Zyklus sowie einer Ertrags- wenn nicht sogar Wirtschaftsrezession im nächsten Jahr unterstützt“. Dennoch sei der Markt bis Ende 2019 unberechenbar und Wilson sieht eine Ertragsrezession mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% an, ist zugleich aber der Meinung, dass weitere harte Fakten erforderlich sein könnten, bevor ein deutlicher Rückgang der Kurse eintritt.

Mit Blick auf Bank-Aktien teilt Morgan Stanley Analyst Ken Zerbe die Meinung von Wilson und betont, dass “wir das wachsende Risiko eines Bärenmarktes bei Krediten im kommenden Jahr, welcher einer Rezession vorauseilt, sowie die negativen Auswirkungen eines schwächeren Wirtschaftswachstums nicht ignorieren können“. Die Unsicherheit sitzt tief und Anleger scheinen nicht bereit für ein erhöhtes Engagement in Bankwerte bis Anzeichen für ein beschleunigtes Wirtschaftswachstum vorliegen, was nach Zerbes Meinung zeitnah nicht zu erwarten ist.

Sind nun aber die Aussichten für die Aktienmärkte im Jahr 2019 wirklich so finster oder geht es vielmehr darum selektiv bei der Auswahl potentieller Anlagen vorzugehen? Folgt man Timothy Moe (Co-Head of Macro Research Asien und Chief Asia Pacific Regional Equity Strategist bei Goldman Sachs), sollten Investoren ihr Augenmerk auf Unternehmen legen, die über eine lange Historie an konstanten Dividendenausschüttungen verfügen. Im Gespräch mit CNBC sagt Moe:

“Für uns erscheint es klar, dass in einem globalen Umfeld mit geringerem Wachstum und Sorge hinsichtlich der allgemeinen wirtschaftlichen Ausrichtung … der Markt dies belohnt und so ist das ein Thema in einer unserer neuesten Untersuchungen die Suche nach Aktien, welche ein gutes Gewinnwachstum für dieses und nächstes Jahr aufweisen und diese Erwartungen auch schon nach oben korrigiert wurden … und auch wenn es sich hierbei nur um einen kleinen Kreis handelt auf den sich Investoren konzentrieren können, wird hoffentlich das bessere fundamentale Profil dazu beitragen, allgemeine Bedenken auszugleichen.

Moe ist nach wie vor zuversichtlich, dass trotz der rückläufigen Aussichten für zahlreiche Aktien eine deutliche Reduzierung von Gewinn und Cashflow erforderlich wäre, bevor es zu einer größeren Dividendenkürzung kommt. Moe empfiehlt den Anlegern zudem, auf die letzten zehn Jahre zurückzublicken und zu versuchen Aktien zu finden, bei denen es keine Dividendenkürzungen gab und nennt dies einen "Stabilitätsfaktor". Da die Aktiengewinne möglicherweise niedriger sind und der Zinszyklus scheinbar in Frage gestellt wird, gewinnen Aktien mit Dividendenzahlungen plötzlich eine viel größere Bedeutung, wenn man die Gesamtperformance des Anlegerportfolios für das nächste Jahr betrachtet.

Joseph Zidle von Blackstone ist ein weiterer Experte mit der Meinung, dass 2019 noch zahlreiche chancenreiche Werte zu finden sind und der derzeitige Bärenmarkt hauptsächlich Sentiment getrieben ist und kein grundlegendes Problem vorliegt". Zidle hat den aktuellen Ausverkauf als übertrieben bezeichnet und betont: "Wir werden ein Gewinnwachstum sehen, es wird langsamer werden, aber wir werden es trotzdem sehen". Von all seinen großen Sorgen für 2019 stellt die europäische Wirtschaft mit dem ungelösten Brexit und den daraus resultierenden Auswirkungen auf die EU Wirtschaft die größte dar. Die bereits erwähnte Abflachung und Umkehrung der Zinskurve stehe nicht zwangsläufig für eine globale Verlangsamung der Erträge und Zidle weist darauf hin, dass diese Kurven über einen langen Zeitraum flach bleiben können. "1995 flachte die Renditekurve ab und blieb für die nächsten 4 Jahre flach.... doch die Wirtschaft wuchs in diesen 4 Jahren um 3,8% pro Jahr und die Märkte zogen an."

Die Meinungen über die Aktienmarktentwicklungen im Jahr 2019 bleiben gespalten. Es gibt zahlreiche Aspekte, die neben den in diesem Artikel genannten Faktoren berücksichtigt werden müssen, da verschiedene Aktien auch mit dem Schicksal anderer Branchen verbunden sind oder sich stark auf dieses stützen. Darüber hinaus könnten "Expertenmeinungen", die zwar immer einen wertvollen Einblick in die Denkweise verschiedener Vermögensverwalter geben, durch kurzfristige Veränderungen der Unternehmen beeinträchtigt werden. Was klar bleibt, ist, dass das nächste Jahr nicht einfach für Aktien sein wird. Der beschriebene Gegenwind wird anhalten bis eine Entspannung in den Handelsbeziehungen zwischen den USA und China sowie ein Abschluss des Dramas um den Brexit erkennbar wird. Der "Stabilitätsfaktor" von Moe ist ein besonders interessanter Punkt, denn schließlich ist die Zukunft nie vorhersehbar und wir müssen nur auf 2018 zurückblicken, um zu verstehen wie schnell sich die Märkte drehen können. Die Fokussierung auf die Fundamentaldaten sowie Aktien, die in unsicheren Zeiten konstante Dividendenzahlungen aufweisen, könnte eine der besten Möglichkeiten sein ein Portfolio zu finden, welches auch im Jahr 2019 Erträge unabhängig von Unternehmensgewinnen und deren Erwartungen erwirtschaftet.

 

Marcus Brown
Sales Trader

 


Die oben erwähnten Markteinschätzungen und Inhalte spiegeln ausschließlich die Meinung des Autors wider und nicht die von ayondo. Dieser Service ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und stellt keine Beratung oder Investmentempfehlung dar.