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22.11.2018

Bitcoin - von der beliebtesten Krypto-Währung zu einer großen Enttäuschung?

Lesen Sie hier was ayondo Chief Trader Jordan Hiscott über Bitcoin zu sagen hat.

Bitcoin - von der beliebtesten Krypto-Währung zu einer großen Enttäuschung?

Der Dezember 2017 war eine ungewöhnliche Zeit - wir wurden Zeuge einer der größten "Blasen", die es je unter Anlageklassen gegeben hat. Kein Tag ist vergangen ohne dass Krypto-Währungen, insbesondere Bitcoin, in den Medien auftauchten. Die jede Woche zunehmenden parabolischen Aufwärtsbewegungen erzeugten sowohl bei Privatanlegern als auch der Allgemeinheit den gleichen Hype. Nach einem Höchststand von zwischenzeitlich 19.000 US-Dollar hatten verschiedene Branchenexperten sogar einen Anstieg der Krypto-Währung auf mindestens 100.000 US-Dollar bis Ende 2018 vorausgesagt.

Im Dezember 2018 könnte das Bild dann kaum anders sein. Bitcoin, die beliebteste aller Kryptowährungen, ist um mehr als 75% gefallen und wird derzeit bei knapp 4.300 US-Dollar gehandelt. Sowohl die allgemeine Stimmung als auch die technische Chartanalyse weisen zudem auf eine anhaltende Abwärtsbewegung hin. Was hat dazu geführt, dass sich das Interesse an und der Erfolg von Bitcoin in so kurzer Zeit so stark verändert hat?

Das Bitcoin Konzept ist vor 10 Jahren entstanden, in einer Zeit, in der das Vertrauen in die Finanz- und Kreditmärkte auf einem historischen Tiefstand lag. Kurz nach der globalen Kreditkrise hatten Anleger das größte Gelddruckprogramm erlebt, das es je von großen globalen Zentralbanken gegeben hat. Bitcoin kam auf den Markt und sprach diejenigen an, die mit dem Handeln der Zentralbanken unzufrieden waren. Denn Bitcoin lockte mit den folgenden Aspekten: digitale Sicherheit, begrenzte Verfügbarkeit, basierend auf dem Peer-to-Peer Modell und völlige Dezentralisierung. In der Theorie klingen diese Tugenden wie die Utopie des Geldes.

Noch mehr als die Theorie hinter der Krypto-Währung haben mich aber immer die tatsächlichen Nutzer von Bitcoin verblüfft. Die beiden wichtigsten Nutzergruppen waren völlig unterschiedlich. Zum einen waren es Spekulanten welche normalerweise in kurzen Zeiträumen handeln und für Bitcoin wenig Verwendung hatten, außer Kapitalgewinne zu erzielen. Professionelle Händler sowie viele tausende Kleinanleger wurden von den hohen Gewinnchancen angezogen, was sicherlich auch zumindest teilweise, zu dem Höchststand im Dezember 2017 führte. Im Gegensatz dazu gab es aber auch diejenigen, die Bitcoin als Zahlungsmittel nutzen. Die Sache hatte jedoch einen Haken, nämlich die Opportunitätskosten: Haben Sie im Jahre 2011 Bitcoin genutzt um einen Kaffee zu bezahlen? Dann ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie von dem Geld auch ein paar Häuser hätten kaufen können, wenn Sie bis Oktober 2017 durchgehalten hätten. Dies ist der hohen Volatilität des Vermögenswerts geschuldet: Die Voraussetzung für ein beständiges Tauschmittel aber ist Stabilität, und diese haben die Preisbewegungen von Bitcoin keinesfalls.

Marktmanipulationen hat es in der Vergangenheit schon bei vielen Vermögenswerten gegeben. Derzeit scheinen die Regulierungsbehörden dem jedoch weitestgehend erfolgreich einen Riegel vor zu schieben. Dies funktioniert aber nur, solange es eine klare Zuständigkeit für die Manipulationskontrolle gibt, wie es beispielsweise bei nationalen Börsen der Fall ist. Bei Bitcoin ist dies jedoch eine Grauzone. Da die Börsen keinen klaren Sitz haben ist auch nicht klar, wer genau für die Regulierung des Markts zuständig ist: Das wiederum öffnet die Türen für aktive Manipulation der Preise durch große Trader und Investoren, denn diese müssen nicht befürchten, dass ihre Geschäfte oder Strategien in Frage gestellt werden. Ich bin mir sicher, dass dies der Fall ist und auch im Vorfeld des Hochs im Jahr 2017 geschah.

Aber auch die Geschwindigkeit der Übertragung war für Bitcoin selbst ein großes Problem: Sie wurde als extrem schnell auf Peer-to-Peer-Basis eingestuft – jedoch ist sie im Vergleich eigentlich recht langsam. Zum Beispiel verarbeitet Bitcoin 7 Transaktionen pro Sekunde - schnell, denken Sie? Nicht wirklich, wenn man bedenkt, dass Ethereum 15, Ripple 1500 und Visa 24.000 Transaktionen pro Sekunde verarbeitet. Damit Bitcoin zum brauchbaren Werkzeug für die Finanzindustrie wird, muss es zumindest so schnell, wenn nicht sogar schneller und skalierbarer sein als das, was im Moment verfügbar ist.

Ich habe keinen Zweifel daran, dass die Technologie hinter den Krypto-Währungen in Zukunft in irgendeiner Form eingesetzt werden wird, aber ob Bitcoin in seiner jetzigen Form oder als beliebteste Krypto-Währung bestehen bleibt, ist nach wie vor sehr fraglich.

Jordan Hiscott
Chief Trader

 


Die oben erwähnten Markteinschätzungen und Inhalte spiegeln ausschließlich die Meinung des Autors wider und nicht die von ayondo. Dieser Service ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und stellt keine Beratung oder Investmentempfehlung dar.