US-Aktienmarkt – Analyse

US-Aktienmarkt: Von der Rekordjagd nicht blenden lassen

Am heutigen „Tag der Aktie“ lassen die Bullen endlich wieder ihre Muskeln spielen, der DAX steigt auf Jahreshoch. Ohne Unterstützung von den US-Börsen wird der weitere Weg aber sehr schwierig. Von der Wall Street könnte bald stärkerer Gegenwind kommen, gleich mehrere Warnsignale mahnen zur Vorsicht.

Besser könnten die Aussichten für den amerikanischen Aktienmarkt auf den ersten Blick kaum sein. Die US-Notenbank erhöhte am Mittwoch wie erwartet die Zinsen. Im weiteren Jahresverlauf könnten noch zwei Zinserhöhungen folgen, was als Zeichen für eine robuste Entwicklung der US-Wirtschaft interpretiert wird. Zugleich sorgt die neue US-Regierung für reichlich Fantasie: Donald Trump will mit einer umfassenden Steuerreform, Deregulierungsmaßnahmen und Billionen schweren Infrastrukturprogrammen die Konjunktur kräftig anschieben. Die Stimmung bei den Fondsmanagern und US-Börsenbriefschreibern ist seit Wochen euphorisch, für den S&P 500 ging es seit der Wahl um knapp 15 Prozent nach oben.

Bewertungsband wird ausgereizt

Die Kehrseite der Medaille: Mit dem kräftigen Anstieg sind bereits viele Vorschusslorbeeren in den Kursen enthalten. Trump muss möglichst schnell liefern, um den hohen Erwartungen gerecht zu werden. Für Enttäuschungen ist mit Blick auf die ambitionierten Bewertungen kein Platz.

Inzwischen wird der amerikanische Leitindex S&P 500 mit einem KGV auf Basis der Gewinnschätzungen für die kommenden zwölf Monate von knapp 18 bewertet. Die viel beachtete Kennzahl liegt am oberen Rand der Zehn-Jahres-Spanne und deutlich über dem langfristigen Durchschnitt von 15. Auch bei anderen Messgrößen leuchten inzwischen Warnlampen auf. So liegt der Börsenwert sämtlicher US-Konzerne im Verhältnis zur jährlichen Wirtschaftsleistung der USA bei rund 123 Prozent und damit deutlich über dem langfristigen Schnitt von 60 Prozent. Auch die Umsätze der US-Unternehmen halten mit der Entwicklung am Aktienmarkt nicht mehr Schritt. Aktuell liegt das Kurs-Umsatz-Verhältnis mit 2,1 im Bereich der Bestmarke und ebenfalls deutlich über dem langfristigen Schnitt von 0,8.

Ungünstiges Chance-Risiko-Verhältnis

Richtig ist allerdings auch, dass die Kurse in den vergangenen Wochen trotz hoher Bewertung weiter gestiegen sind. Für das Timing lohnt sich daher ein Blick auf die charttechnischen Signale. Hier zeigt der Trend seit Anfang 2016 eindeutig nach oben, auch die viel beachtete 200-Tage-Linie verläuft seit Sommer vergangenen Jahres wieder aufwärts. Übergeordnet geben somit die Käufer die Richtung vor. Weiter steigende Kurse somit daher grundsätzlich wahrscheinlicher, allerdings nimmt auch das Risiko zu.

In den vergangenen Tagen notierte der Index knapp zehn Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Nur sehr selten in den vergangenen Jahren wurden größere Abstände gemessen, häufig folgte im Anschluss eine Konsolidierung. Einen Tagesverlust von mehr als ein Prozent verzeichnete der Markt zuletzt am 11. Oktober 2016.

Gleich mehrere Signalgeber zeigen somit eine überkaufte Lage an, während das Potenzial auf der Oberseite gering ausfällt. Abgeleitet aus der Höhe der Korrektur von Ende 2015/Anfang 2016 kann eine Zielzone von rund 2440 Punkten abgeleitet werden. Den Chancen von knapp drei Prozent stehen zugleich größere Gefahren gegenüber. Eine schwache Unterstützung verläuft bei 2350 Punkten, darunter wäre Luft bis an die Nachkaufzone bei 2255/2280. Wirklich attraktiv wäre der US-Markt aber erst wieder an der Aufwärtstrendlinie, die aktuell mit einer massiven Unterstützungszone bei 2200 Punkten zusammenfällt.

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Autor: Feingold Research

Die oben erwähnten Markteinschätzungen und Inhalte spiegeln ausschließlich die Meinung des Autors wider und nicht die von ayondo. Dieser Service ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und stellt keine Beratung oder Investmentempfehlung dar.

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