Spotify – Trader Tuesday

Der Musikstreaming-Riese Spotify soll heute, am 3. April 2018, an der New Yorker Börse gelistet werden: Tatsächlich gehört diese Notierung zu einer der ungewöhnlicheren Börseneinführungen, die ich seit einiger Zeit beobachtet habe. Doch wieso? In der Regel führt ein Technologieunternehmen, das an die Börse gehen möchte, zunächst ein Initial Public Offering (IPO) durch, bei dem Aktien interessierten Anlegern bereits vor dem eigentlichen Börsengang öffentlich über ein sogenanntes Bookbuilding-Verfahren angeboten werden – dies schließt eine große Investmentbank ein, die die Aktien zunächst potenziellen Investoren anbietet und als Hauptzeichner für das Listing fungiert.

Interessanterweise trifft dies nicht auf Spotify zu, denn sie planen ein direktes Listing. Zudem werden keine neuen Aktien ausgegeben: Spotify strebt also keine Kapitalbeschaffung an und die Anteile der jetzigen Aktionäre werden nicht verwässert. Dies ist zwar positiv anzusehen, erweckt  in mir jedoch auch leichte Besorgnis.

Keinen Hauptzeichner in Form einer Investmentbank zu haben, kann zu einer höheren Volatilität der Aktien führen: Historisch gesehen können sogar IPO-Erfolgsgeschichten wie Facebook zu einer anfänglichen negativen Aktienperformance führen, da Investoren den Geschäftsplan des Unternehmens und andere Fundamentaldaten abwägen. Ein Hauptzeichner bedeutet für das jeweilige Unternehmen zunächst mehr Stabilität auf dem Weg zum Listing.

Der Musikstreaming-Riese hat seinen Geschäftsbetrieb erst 2008 aufgenommen und kann mittlerweile bereits 140 Millionen aktive Nutzer pro Monat verzeichnen, wobei mehr als 70 Millionen Abonnenten für deren Dienstleistungen zahlen. Die Einnahmen stiegen so von 2,95 Mrd. EUR im Jahr 2016 auf satte 4,09 Mrd. EUR im Jahr 2017. Meiner Einschätzung nach wird die Bewertung unmittelbar nach der Börsennotierung in der Größenordnung von 27 Mrd. USD liegen. Ein großer Schritt für das Unternehmen: Die Börsennotierung wird der Marke größere Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit verleihen und diese wird sie auch brauchen, um mit Apple Music und Google Play mithalten zu können.

Grundsätzlich scheint das Unternehmen sehr verlockend, für mich ergeben sich es jedoch einige Konfliktfelder. Erstens, die Aktivierung der „Bestell-Generation“: Es wird höchstwahrscheinlich eher schwierig sein diese Gruppe potenzieller Nutzer zum Streaming-System mit monatlichem Abonnement hinzubewegen.

Zweitens ist das gegenwärtige Klima für börsennotierte Technologieunternehmen derzeit eher von Unruhe geprägt. Zugegebenermaßen ist dies auf spezifische Gründe bei bestimmten Unternehmen zurückzuführen, so beispielsweise die möglichen steuerlichen Auswirkungen auf Amazon sowie die vermeintlichen Datenerhebungsmethoden bei Facebook. Nichtsdestotrotz schürt dies den Appetit der Anleger auf neue Tech-Listings wie Spotify und ich bin gespannt, wie die Aktie heute eröffnet.

Chief Trader,

Jordan Hiscott


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