RWE – Aktienanalyse

RWE: Die Nummer eins im DAX dreht mächtig auf

Von einer solchen Entwicklung haben wohl auch langjährige RWE-Aktionäre kaum zu hoffen gewagt: Mit Gewinnen von 65 Prozent seit Jahresbeginn stehen die Papiere unangefochten an erster Stelle im Performance-Ranking der DAX-Werte. Auch im Lager der Analysten hat sich die Stimmung für den Versorger deutlich verbessert. Zur Wochenmitte kippte das Bundesverfassungsgericht sogar die Brennelementesteuer, RWE rechnet mit einer milliardenschweren Steuerrückzahlung. Geht die Rally auch in der zweiten Jahreshälfte weiter?

Fundamental ist der Aufwärtstrend durchaus gut unterfüttert. Umsatz und operatives Ergebnis lagen im ersten Quartal über den Konsensschätzungen, im Gesamtjahr 2017 werden schwarze Zahlen erwartet. Strategische Weiterentwicklungen stehen weit oben auf der Agenda: Der Kraftwerkspark soll auf mehr Effizienz und Flexibilität getrimmt werden. RWE will sich als Treiber neuer Lösungen für Versorgungssicherheit positionieren, was wirtschaftliche Chancen eröffnet. Auch beim Thema Dividende will man wieder angreifen: Für 2017 werden 50 Cent angepeilt, nachdem Stammaktionäre 2015 und 2016 leer ausgingen. Morgan Stanley rechnet in den beiden folgenden Jahren mit 60 und 70 Cent. Bei einer möglichen Verzinsung von gut drei Prozent würde die RWE-Aktien etwas mehr abwerfen als im DAX-Durchschnitt.

Begehrte Tochter

Doch damit nicht genug, für richtig Zündstoff sorgen seit Wochen Fusionsgerüchte beim Essener Konzern. Im Mittelpunkt steht die Ökostromtochter Innogy, die im ersten Quartal der Hauptergebnisträger war. Gerüchte um einen Verkauf der knapp 77 Prozent-Beteiligung an den französischen Branchenkollegen Engie sorgten zuletzt für Auftrieb. Der Marktwert des Innogy-Pakets liegt bei rund 15 Mrd. Euro, während RWE an der Börse gut elf Mrd. Euro auf die Börsenwaage bringt. Innogy ist durchaus ein attraktives Übernahmeziel, weil viele Versorger auf grünen Strom setzen und das Angebot begrenzt ist. Ob der Deal aber auch gelingt und wenn ja zu welchen Konditionen, ist vollkommen offen und hängt von RWE sowie politischen Entscheidungsträgern in Berlin ab.

Fakt ist hingegen schon jetzt der Sieg vor dem Bundesverfassungsgericht beim Streitthema Brennelementesteuer. RWE zahlte rund 1,7 Mrd. Euro und rechnet nun mit einer milliardenschweren Rückzahlung. Nach Zinsen und Steuern entspricht dies umgerechnet rund 2,70 Euro je Aktie. Zwar verbessert sich mit der Zahlung nicht das bereinigte erwartete Nettoergebnis. Anleger können aber gespannt sein, wie die Mittel verwendet werden.

Kein Schnäppchen

Unter dem Strich sieht die Ausgangslage daher recht klar aus: Die Fusionsfantasie in der europäischen Strombranche ist derzeit das Salz in der Suppe. Sollte RWE wie von Morgan Stanley für möglich gehalten nach dem guten Jahresauftakt auch die Prognose zur Jahresmitte erhöhen, würde dies das fundamentale Bild weiter verbessern. Seit rund drei Monaten ziehen die Konsensschätzungen bereits kräftig an: Mitte März wurde noch ein 2018er Gewinn je Aktie von 1,28 Euro erwartet, aktuell sind es schon 1,61 Euro. Das KGV von 11,4 liegt zwar deutlich unter dem Marktdurchschnitt, entspricht aber bereits dem langfristigen Mittelwert der RWE-Aktie. Aus Bewertungssicht ist das Papier daher nicht sonderlich attraktiv.

Atempause abwarten

Auch technisch drängt sich ein Einstieg derzeit nicht mehr auf. Zwei Bremsfaktoren dürften bald eine Konsolidierung einleiten: Der mit 14 Prozent sehr weite Abstand zur 21-Tage-Linie zeigt eine deutliche Überhitzung an. Zudem ist RWE an zwei wichtige Widerstände gelaufen: Eine horizontale Barriere bei 20,50 Euro und den seit 2008 bestehenden Abwärtstrend bei etwa 20 Euro. Im ersten Anlauf dürfte der Ausbruch kaum gelingen, Trader sollten eher auf einen Rücksetzer an den Monatsdurchschnitt bei 17,30 Euro oder die nächste Unterstützung bei 16,50 Euro setzen und dann einsteigen. Mittel- bis langfristig dürfte der Turnaround aber geschafft sein, die Aktie bleibt aussichtsreich mit einem Kursziel von 25,50 Euro.

 

 

Autor: Feingold Research

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