Ölpreis – Analyse

Ölpreis – klarer Fahrplan für die kommenden Wochen

„Die Masse liegt an der Börse meistens falsch“, lautet eine Weisheit. Jüngstes Beispiel war die überraschende Einigung der Opec auf eine Deckelung der Förderung auf 32,5 bis 33 Millionen Barrel pro Tag. Kaum ein Experte hatte den Durchbruch auf dem informellen Treffen in Algier erwartet. Umso kräftiger war anschließend die Reaktion an den Märkten auf die erste Übereinkunft dieser Art seit acht Jahren. Allerdings sind Zweifel angebracht.

Die Mitglieder der Opec und weitere Öl-Förderstaaten wollen vom 8. bis 13. Oktober in Istanbul zusammenkommen, um die Details der vorläufigen Abmachung zu besprechen. Fakten wird es dann aber wohl erst auf dem nächsten regulären Treffen des Ölkartells Ende November geben. Bereits jetzt äußerten sich viele Investoren skeptisch, dass es der Opec gelingen wird, die avisierte Fördermenge in Länderquoten herunter zu brechen. So beschwerte sich der irakische Ölminister, dass die Produktionsschätzungen aus sekundären Quellen nicht mit denen der Regierung übereinstimmen.

Ein Tropfen auf den heißen Stein

Sollten Länder wie Nigeria, Libyen und der Iran ihre Kapazitäten wieder voll ausschöpfen, bleibt weiterhin das Problem einer weltweiten Überversorgung. Aktuellen Daten zufolge hat das Kartell im September mit 33,6 Millionen Barrel mehr produziert als je zuvor. Die angestrebte Drosselung um knapp 800.000 Barrel pro Tag entspricht nur einem Rückgang von gut zwei Prozent. Zudem bleibt fraglich, wie sich die Nicht-Opec-Länder verhalten. Während Fördergigant Russland bereits Gesprächsbereitschaft signalisierte, könnten andere Nationen stärker ihre eigenen Interessen verfolgen. Es ist sogar zu befürchten, dass die Nicht-Opec-Länder bei steigenden Preisen zügig ihre Kapazitäten wieder ausbauen und sich so Marktanteile sichern. Vor allem die amerikanische Schieferölindustrie steht bereit und dürfte ihre Quellen schnell wieder reaktivieren. Offen ist auch, wie Fehlverhalten bestraft werden soll. Gelingt dennoch eine Einigung, werden erst die kommenden Monate zeigen, ob die Länder die vereinbarten Fördergrenzen einhalten.

Gegen eine länger anhaltende Phase steigender Ölpreise sprechen auch die unverändert hohen Netto-Long-Positionen bei Brent und die Signale vom Terminmarkt. Die Terminkurve verläuft leicht steigend, der Future-Preis für Brent auf Sicht von zwölf Monaten liegt aber nur bei 53 Dollar. Bis zum Jahresende ist sogar eher mit fallenden Kursen zu rechnen. Saisonal betrachtet neigt der Ölpreis von Mitte Oktober für rund zwei Monate zur Schwäche und strebt oft erst ab Anfang März wieder Richtung Norden. Verantwortlich für den jüngsten Aufwärtsimpuls ist hingegen ein Hurrikan in der Karibik, der den Betrieb der Ölanlagen im Golf von Mexiko beeinträchtigen dürfte.

Fazit fällt eindeutig aus

Mit dem jüngsten Sprung ist auch das charttechnische sowie statistische Potenzial nahezu ausgereizt. In den vergangenen Monaten entfernte sich der Brent-Preis wenn überhaupt nur sehr kurzzeitig um mehr als zehn Prozent von seiner 21-Tage-Linie nach oben. Aktuell liegt der Abstand bereits bei sieben Prozent. Zudem lauern im Bereich um 52/53 Dollar mit dem seit August 2015 bestehenden Abwärtstrend und dem Spätsommerhoch hartnäckige Barrieren. Darüber dürften spätestens am Jahreshoch bei 54 Dollar verstärkt Gewinnmitnahmen einsetzen. Größere Verluste sind vorerst aber ebenfalls nicht zu erwarten. Zuletzt kauften Anleger bei 45 Dollar, darunter liegen um 41/43Dollar weitere Auffangzonen. Sowohl die Charttechnik wie auch die fundamentale Lage lassen somit eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung erwarten.

brent_ayondo

Autor: Feingold Research

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