Öl – Analyse

Öl: Bärenmarktrallye auf dünnem Eis

Zum Jahreswechsel waren weiter fallende Rohstoffpreise aus Sicht vieler Experten nahezu ausgemachte Sache. Doch wie so häufig an der Börse liegt die Mehrheit oft falsch. Viele Industrie- und Energierohstoffe legten seit Jahresbeginn kräftig zu. Die Nordseesorte Brent verzeichnete im April sogar den stärksten Monatszuwachs seit fast sieben Jahren. Ist dies der Startschuss für eine nachhaltige Erholung?

Aus fundamentaler Sicht gibt es kaum Gründe, die für eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung sprechen. Umfragen zufolge ist die OPEC-Produktion im April auf rund 32,6 Millionen Barrel pro Tag gestiegen und liegt damit nur knapp unter dem im Januar erzielten Mehrjahreshoch. Besonders kräftig legte die Ölproduktion im Iran und Irak zu, während Kuwait, Nigeria und Venezuela einen noch stärkeren Anstieg mit Kürzungen verhinderten. Allerdings dürfte sich die rückläufige Entwicklung in den meisten Ländern nicht als nachhaltig erweisen. Hoffnung geben nur die Daten zu den aktiven Ölbohrungen in den USA. Zuletzt verzeichnete die US-Rohölproduktion außerhalb Alaskas den stärksten Wochenrückgang seit acht Monaten. Der kräftige Einbruch bei der Bohraktivität wirkt sich nun immer deutlicher auch auf die Ölproduktion aus. Mit der jüngsten Erholung beim Ölpreis dürfte es aber nur eine Frage der Zeit sein, bis die Bohraktivität wieder steigt. Ähnlich ist auch die Marktreaktion auf die Waldbrände in der kanadischen Ölprovinz Alberta zu sehen. Als wichtigster Öllieferant der USA spielt Kanada eine zentrale Rolle. Die Produktionsunterbrechungen und Reparaturen an der Infrastruktur sind aber nicht von Dauer. Der positive Preiseffekt dürfte daher schnell wieder verpuffen.

Trend bleibt intakt

Es gibt somit weiterhin ein enormes Überangebot am Markt, eine Förderbegrenzung wird es vorerst nicht geben. Sollte in den kommenden Monaten auch die Weltwirtschaft zur Schwäche neigen, würde auch die Nachfrageseite einer weiteren Preiserholung entgegenstehen. Ohnehin ist die kräftige Aufwärtsbewegung ausgehend vom Jahrestief im Januar / Februar nur als technischer Impuls auf die vorherigen starken Verluste zu sehen. Im längerfristigen Bild wird dies besonders gut deutlich: Brent und WTI notieren auf Sicht von zwölf Monaten um rund 30 Prozent tiefer, für die vergangenen drei Jahre steht ein Minus von knapp 60 Prozent in der Bilanz.

Auf der Oberseite scheint das Potenzial für WTI nahezu ausgereizt. Erst wenn der Rohstoff wieder über dem Oktober-Hoch bei rund 50 Dollar gekauft wird, eröffnet sich weiteres Potenzial bis maximal 60 Dollar. Risiken für die Bärenmarktrallye lauern vor allem Richtung Süden, denn die nächste gute Unterstützung verläuft erst im Bereich des April-Tiefs bei rund 35 Dollar.

WTI_Ayondo

Autor: Feingold Research

Die oben erwähnten Markteinschätzungen und Inhalte spiegeln ausschließlich die Meinung des Autors wider und nicht die von ayondo. Dieser Service ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und stellt keine Beratung oder Investmentempfehlung dar.

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