Lufthansa – Aktienanalyse

Lufthansa erreicht kritische Flughöhe

Der Leitsatz „Never buy airlines“ zählt mit zu den bekanntesten Börsenregeln. Doch so ganz richtig ist dies nicht, auch mit den Papieren von Fluggesellschaften sind hohe Gewinne möglich, wie das Beispiel Lufthansa zeigt. Um rund 90 Prozent legten die Titel seit Jahresbeginn zu und damit so kräftig wie keine andere DAX-Aktie. Lohnt sich auch jetzt noch der Einstieg?

Bereits seit Monaten besticht die Lufthansa-Aktie mit einer hohen Trendstärke. Gewinne von rund 140 Prozent auf Sicht von zwölf Monaten sind für einen DAX-Wert ungewöhnlich, allein in den vergangenen vier Wochen kletterte die Notierung um 15 Prozent. Aktuell steht der Kurs bei rund 23 Euro, selbst die im Juli 1998 erreichte Bestmarke bei 28 Euro rückt allmählich wieder in Reichweite.

Verantwortlich für den jüngsten Höhenflug ist vor allem die Insolvenz von Air Berlin. Von der Pleite des größten heimischen Rivalen könnte die Lufthansa kräftig profitieren. Bis zum 12. Oktober laufen die Verkaufsverhandlungen, auch Mitbieter Easyjet ist noch im Rennen. Die Flotte von Air Berlin besteht aus 144 Flugzeugen, die aber alle geleast sind. Im Fokus steht vor allem die österreichische Air Berlin-Tochter Niki. Gerüchten zufolge könnte das Filetstück an die Lufthansa gehen. Nach Angaben von Konzernchef Carsten Spohr senkt jedes neu in Betrieb genommene Flugzeug die operativen Kosten um 20 Prozent.

Seit Monaten im Aufwind

Sollte die Kranichlinie zum Zug kommen, dürfte davon besonders die Eurowings-Plattform kräftigen profitieren. Die Billigairline Eurowings der Lufthansa mischt bereits den Markt für Ferienflüge auf. Analysten erwarten, dass die Ticketpreise eher steigen dürften. Kehrseite der Medaille: Gerade auf den innerdeutschen Strecken könnte die Lufthansa ein Monopol erreichen, die Kartellbehörden könnten daher mögliche Deals untersagen. Negativ wäre auch, wenn Air Berlin den Flugbetrieb vor dem Abschluss des Verkaufs einstellen müsste. Die wichtigen Start- und Landerechte würden dann neu verteilt und aus Wettbewerbsgründen wahrscheinlich eher kleineren Airlines zufallen.

Die Pleite von Air Berlin ist aber nicht der einzige Katalysator für die Aktie. Dank der weltweit robusten Konjunkturlage hat sich auch das gesamte Umfeld für die Airlines verbessert. Jüngstes Beispiel ist die Mitte Juli erfolgte Prognose-Erhöhung der Lufthansa für das operative Ergebnis im laufenden Jahr. Im August hielt der Aufwärtstrend an: Die Passagierzahlen legten um gut 17 Prozent zum Vorjahresmonat zu, die Auslastung kletterte um 1,2 Prozentpunkte auf 85,8 Prozent. Auch das Frachtangebot entwickelte sich positiv, die abgesetzten Tonnenkilometer stiegen um knapp zehn Prozent.

Heißes KGV-Schnäppchen

Analysten revidierten in den vergangenen Monaten ihre Prognosen deutlich nach oben: Mitte Mai lagen die Konsensschätzungen für den Gewinn je Aktie in 2018 noch bei 2,63 Euro, aktuell sind es 3,50 Euro. Trotz der rasanten Kursrally liegt das KGV somit nur bei 6,5. Die Lufthansa zählt zu den günstigsten Papieren im DAX und liegt beim KGV auch noch deutlich unter dem eigenen Zehn-Jahres-Durchschnitt von 8,9.

Die optimistischen Konsensschätzungen und damit das attraktive KGV könnten sich aber auch als Falle herausstellen, wenn sich die Weltwirtschaft abschwächt oder der Ölpreis – als ein wesentlicher Kostenfaktor – weiter steigt. Klarere Warnsignale liefert die technische Analyse. Zweifellos besticht die Aktie mit einer hohen relativen Stärke und befindet sich in einem intakten, aber sehr steilen Aufwärtstrend. Zuletzt kletterte der Kurs sogar über das 2007er-Hoch. Allerdings erfolgte der Anstieg sehr schnell, der Wert steht etwa 38 Prozent über der 200-Tage-Linie. Ähnliche Werte waren auch im Umfeld der Hochpunkte in 2007 und 2013 zu beobachten.

Nach der Kursverdopplung ist eine Konsolidierung überfällig. Im Idealfall pendelt die Aktie seitwärts und baut so die Überhitzung ab. Mittelfristig wäre dann Platz bis in den Bereich der Rekordmarke bei 28 Euro. Trüben sich aber die grundsätzlichen Aussichten ein, drohen scharfe Gewinnmitnahmen. Eine schwache Nachkaufzone liegt bei rund 18 Euro, darunter wäre Luft bis 15 Euro. Langfristige Investoren greifen bei der Lufthansa hingegen erst zu, wenn einstellige Kurse aufgerufen werden. Mit dieser einfachen Strategie machte die Kranichlinie in den vergangenen Jahren mittelfristig immer Spaß.

 

Autor: Feingold Research

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