Gold – Analyse

Gold: Befreiungsschlag rückt näher

Während der DAX zuletzt an seiner Rekordmarke scheiterte, schauen auch Gold-Investoren gebannt auf die Kursentwicklung beim Edelmetall. Mit 1255 Dollar steht die Feinunze an einer charttechnischen Schlüsselmarke. Die Entwicklung in den kommenden Tagen dürfte sich als mittelfristige Weichenstellung erweisen.

Bereits seit Dezember strahlt Gold wieder deutlich heller. Ausgehend von Kursen um 1125 Dollar kletterte der Kurs bis Anfang März um gut elf Prozent. Exakt an der fallenden 200-Tage-Linie drehte Gold aber wieder nach unten. Doch der Rücksetzer bis an die 1200er-Marke wurde zügig aufgeholt, seit zwei Wochen steht das Edelmetall wieder dicht unter dem Jahreshoch. Gelingt nun der Ausbruch?

Klare Handelsmarken

Technisch ist die Lage nicht eindeutig. Während der mittelfristige Trend seit Dezember aufwärts strebt, zeigt der Chart seit Sommer vergangenen Jahres eine Serie fallender Hochpunkte. Wer auf steigende Notierungen setzt, positioniert sich somit gegen den längerfristigen Trend. Die Bastion der Bären verläuft scharf begrenzt bei 1255/1265 Dollar. Steigt Gold über die Hürde, stellt der Abwärtstrend bei 1280 Dollar die nächste, eher schwache Barriere dar. Mit mehr Gegenwehr ist dann wieder bei 1300 Dollar zu rechnen, hier liegen viele Umkehrpunkte der vergangenen zwölf Monate. Auf der Unterseite sollte Gold im Idealfall nicht mehr unter das jüngste Tief bei 1240 Dollar (per Tagesschluss) fallen. Abgesichert mit einem Stopp bei rund 1235 Dollar und einem Kursziel von 1300 Dollar liegt somit ein durchaus attraktives Chance-Risiko-Verhältnis vor. Fällt Gold unter 1235 Dollar, droht ein erneuter Rücklauf von knapp vier Prozent bis 1200 Dollar.

Konjunkturmotor läuft nicht rund

Fundamental liegt der Ball eher im Feld der Gold-Optimisten. Zuletzt erwiesen sich die Zinserhöhungen der amerikanischen Notenbank nicht als so negativ für das Edelmetall wie häufig prophezeit. Zwei weitere Anpassungen werden in diesem Jahr noch erwartet. Ob die Fed aber auch wirklich handeln wird, ist offen. Während einige weiche Konjunkturdaten wie das Verbrauchervertrauen und die Einkaufsmanagerindizes aufgrund der Trump-Euphorie positiv überraschten, fallen harte Daten (Industrieproduktion, Aufträge langlebiger Gebrauchsgüter) weiterhin eher schwach aus. Auch die seit Mitte Dezember deutlich abnehmende Zinsdifferenz zwischen den zehn- und zweijährigen US-Staatsanleihen deutet auf eine bevorstehende konjunkturelle Schwächephase.

Zudem lieferte die neue US-Regierung bisher noch keine Fakten zu den versprochenen massiven Infrastruktur- und Steuersenkungsprogrammen. Konkrete Details wird es vielleicht erst im Spätsommer geben. Während viele Investoren zu Jahresbeginn noch auf eine schnelle Umsetzung gehofft hatten und für das erste Quartal ein Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent erwarteten, sind die Prognosen inzwischen deutlich gefallen. Aktuell liegt die Messlatte nur noch bei 1,7 Prozent, das zuverlässige Modell der Atlanta Fed sieht nur einen Zuwachs von 1,2 Prozent.

Gold bleibt unterstützt

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass Gold-ETFs im ersten Quartal Zuflüsse von 56 Tonnen verzeichneten. Sollte Trump seinen sprunghaften Regierungsstil fortsetzen und die US-Wirtschaft verstärkt Schwächesignale zeigen, könnte der hoch bewertete Aktienmarkt in eine Korrektur übergehen und Geld aus den Dividendenwerten in sichere Häfen wie Gold fließen. Auch in Europa bleiben die politischen Risiken hoch. Da zugleich eine Dollar-Aufwertung vorerst nicht zu erwarten ist, dürfte das Edelmetall auch von der Währungsseite unterstützt bleiben.

 

Autor: Feingold Research

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