Ein Blick auf das Börsenjahr 2018 mit MrDACHS

Würde man einen Weinkenner um sein Urteil bezüglich der Entwicklung der Aktienmärkte in 2017 bitten, es würde wohl „ausgezeichnet“ lauten. Insbesondere die Kurse an der Wall Street – und damit der weltweite Leitmarkt – konnten dank der Aussicht auf die inzwischen fast beschlossene Steuerreform brillieren. Der S&P 500 stieg das gesamte Jahr über treppenförmig an, Rücksetzer wurden sofort gekauft. Aktuell liegt das Kursplus bei 18%, beim vergleichbaren DAX-Kursindex sind es rund 12%. Wird 2018 also ein ähnlich ertragreicher oder vielleicht sogar noch profitablerer Jahrgang am Aktienmarkt als der diesjährige?

Durchaus möglich! Es gibt jedoch auch einige Argumente dafür, dass die Performance im kommenden Jahr hinter der von 2017 zurückbleiben könnte. Die US-Steuerreform und damit das für den Finanzmarkt wichtigste Projekt der Trump-Regierung dürfte kaum noch scheitern. Also fehlt die Kursfantasie von dieser Seite. Ebenso ist die wirtschaftliche Lage weltweit gerade überaus positiv, das Steigerungspotenzial eher gering. In den Emerging Markets und auch China zeigen sich bei den wirtschaftlichen Indikatoren bereits eher erste Ermüdungstendenzen. Von der saisonalen Seite droht zudem Gegenwind: Das zweite Jahr in der Amtszeit eines US-Präsidenten, das „midterm year“, bietet aus statistischer Sicht das geringste Gewinnpotenzial.

Spezielles Augenmerk sollte auf die weitere Entwicklung der Ölpreise gelegt werden. Diese verteuerten sich im zweiten Halbjahr 2017 um mehr als 25%. Aufgrund des so genannten Basiseffekts bei der Berechnung der Inflationsrate wird die Inflation dadurch bereits im ersten Halbjahr 2018 merklich anziehen. Bei einem fortgesetzten Preisanstieg käme insbesondere die US-Notenbank unter Zugzwang, die Zinsen schneller anzuheben, als vom Markt erwartet.

Da die Notenbank nur die kurzfristigen Zinsen anheben kann, würde sich der Rendite-Spread, also die Differenz zwischen den Kurzläufern und den langfristigen 10-Jahres-Papieren, weiter verringern. Der US-Dollar sollte dann gegenüber dem Euro und insbesondere gegenüber dem Japanischen Yen zulegen können. Ein stärkerer Dollar wäre allerdings schlecht für die wirtschaftliche Entwicklung in den USA und damit nicht im Sinne eines Präsidenten Trumps. Die Stärkung der Exportfähigkeit der US-Industrie ist eines seiner wichtigsten Ziele.

Die wirkliche Überraschung im Falle weiter steigender Ölpreise könnte sogar sein, dass die US-Notenbank unter Führung eines wahrscheinlich neuen Vorsitzenden Jerome Powell die Zinsen trotz stärker ansteigender Inflationsrate nur zaghaft erhöht. Solange die Inflationsrate nicht über 3% ansteigt, könnten die Aktienmärkte von diesem mittleren inflationären Umfeld bei gleichzeitig weiterhin niedrigen Kurzfristzinsen sogar profitieren.

Wahrscheinlich wird die Entwicklung der Aktienmärkte im kommenden Jahr  volatiler verlaufen, als dies in 2017 der Fall war. Möglicherweise steht den Investoren und Tradern eine „Schaukelbörse“ bevor. Die Indizes steigen und fallen abwechselnd, ohne viel Boden gutzumachen. Zu pessimistisch sollte man jedoch auch nicht sein. Ohne exogene Schocks, wie einer militärischen Auseinandersetzung mit Nordkorea oder zwischen dem religiös schiitischen Iran und dem sunnitischen Saudi-Arabien, dürften die Energiepreise nicht weiter im Tempo der letzten Monate ansteigen. Nur wenn es zu einem fortgesetzten Anstieg der Ölpreise kommt, könnte eine verhängnisvolle Spirale in Gang kommen: Steigende Inflation, steigende Zinsen, Eintrübung des wirtschaftlichen Umfeldes bis hin zu einer Rezession. Und nur dann wäre aus meiner Sicht eine pessimistische Grundhaltung angesagt. Trader können gleichwohl in einer „Schaukelbörse“ auch versuchen, durch taktische Short-Positionen Gewinne zu erzielen. Es wird für 2018 grundsätzlich kein schlechter Rat sein, flexibel zu bleiben und sich den aktuellen Entwicklungen immer wieder schnell anzupassen.

 


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