DAX – Analyse

DAX im Rekordfieber: Wie geht es weiter?

Nach zweijähriger Durststrecke knallten auf dem Frankfurter Parkett zu Wochenbeginn endlich wieder die Sektkorken, der DAX schoss auf frische Bestmarken. Die Frankreich-Wahl verlief ganz nach dem Geschmack der Anleger, ein Austritt des Landes aus der Eurozone dürfte kein Thema mehr sein. Auch die Stichwahl am 7. Mai wird wohl an den EU-Befürworter Emmanuel Macron gehen. Mit dem Befreiungsschlag scheint der Weg für den DAX nun frei. Allerdings nehmen auch die Risiken zu.

Mehr als acht Prozent kletterte der DAX bereits seit dem Jahreswechsel, eine beachtliche Performance. Der Anstieg in den vergangenen vier Monaten entspricht ungefähr der durchschnittlich zu erwartenden Jahresentwicklung. Eigentlich könnten Investoren somit die Bücher schon schließen. Der DAX hat die Pflicht erfüllt, folgt jetzt noch die Kür?

Fondsmanager sind bereits investiert

Aus dem Blickwinkel der Bewertung betrachtet sieht es für Schnäppchenjäger schon seit Monaten nicht mehr gut aus. Nach dem jüngsten Sprung ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Schätzungen für die kommenden zwölf Monate auf rund 13,7 gestiegen. Im internationalen Vergleich sind die deutschen Blue Chips vergleichsweise günstig: Der Euro Stoxx 50 wird mit einem Faktor von 14,5 bewertet, für den S&P 500 wird sogar ein KGV von 17,6 aufgerufen. Viele Investoren haben daher zu Jahresbeginn ihr Engagement in US-Aktien deutlich reduziert, die Quote liegt auf dem geringsten Niveau seit 2008. Im Gegenzug profitierten die europäischen Aktienmärkte von massiven Mittelzuflüssen: Zuletzt kam es zur fünftgrößten Umschichtung von US-Aktien in europäische Papiere seit 1999. Rückblickend ein kluger Schachzug, doch zugleich stellt die Entwicklung auch ein Warnsignal dar. Wenn bereits die großen globalen Fonds stark in Europa und damit auch im DAX investiert sind, wer soll die Kurse dann noch weiter nach oben kaufen?

Autoaktien drücken die Bewertung

Auch bei der Bewertungsfrage steckt der Teufel im Detail. Zwar erscheint der DAX im Vergleich zu anderen Indizes günstig. Richtig ist aber auch, dass der Markt inzwischen einen deutlichen Bewertungsaufschlag zum Zehn-Jahres-Durchschnitt von rund 11,5 aufweist. Verantwortlich für die zu anderen Börsen niedrige Bewertung sind die Autoaktien. Für Daimler, VW und BMW wird derzeit ein KGV von lediglich sechs bis acht aufgerufen, während viele Zykliker wie BASF und Siemens bereits sehr sportlich bewertet sind. Bereinigt um den Autosektor kommt der DAX ebenfalls auf ein hohes KGV von mehr als 16. Auf der anderen Seite gilt auch: Holen die günstigen Autoaktien ihren Abschlag auf, könnte der DAX durchaus in Richtung der 13.000er-Marke steigen.

Anleger die jetzt noch einsteigen, gehen somit erhöhte Risiken ein. Bisher ist auch nicht zu erkennen, dass das erwartete Wachstum der Unternehmensgewinne stärker ausfallen wird als erwartet und so weiteres Kurspotenzial eröffnet.

Durchschnitt als Signalgeber

Ähnlich fällt das Fazit zur charttechnischen Lage aus. Die Obergrenze des bis 2009 zurückreichenden Aufwärtskanals lässt aktuell Spielraum bis etwa 16.200 Punkte. In der Praxis dürfte die Region aber nur im Idealfall auf mittel- bis langfristige Sicht in Reichweite kommen. Auch wenn somit der übergeordnete Trend aufwärts zeigt und weiter steigende Kurse grundsätzlich wahrscheinlicher sind, dürfte der Markt bald zu einer Konsolidierung ansetzen. Aktuell steht der Index bereits gut elf Prozent über seiner 200-Tage-Linie, Werte ab 14 Prozent waren in der Vergangenheit häufig ein Warnsignal vor einer Korrektur.

Auch der Sprung auf Rekord sollte nicht überbewertet werden. Seit dem offiziellen DAX-Start 1988 mussten Anleger sechsmal mehr als ein Jahr auf frische Bestmarken warten. Nach ein bis zwei Monaten notierte der Index in gut der Hälfte der Fälle wieder im Bereich oder sogar unter der erstmals markierten Rekordschwelle.

Sell in May…

Dies würde auch zum saisonalen Verlauf passen. Ab Mai beginnt an den Aktienmärkten eine eher schwierige Börsenzeit. In den vergangenen zehn Jahren kletterte der DAX im Wonnemonat nur um durchschnittlich 0,4 Prozent, während der April mit Zuwächsen von drei Prozent noch deutlich positiv hervorsticht. Für Juni fällt die Bilanz mit minus zwei Prozent sogar sehr negativ aus, die Gewinnwahrscheinlichkeit fällt auf rund 36 Prozent. Der Juli ist meist positiv, während im August ähnlich deutliche Verluste wie im Juni zu erwarten sind. Jahre, die auf eine „7“ enden (wie 2017), weisen zudem eine deutlich negative Tendenz im Spätsommer auf.

Fazit: Kurzfristig könnte der Rekordsprung noch Anschlusskäufe auslösen, die den DAX bis an die nächste psychologisch wichtige Marke von 12.500 Punkten führen. Zugleich nimmt aber auch die Konsolidierungsgefahr zu, gute Unterstützungen sind allerdings in unmittelbarer Nähe kaum vorhanden. DAX-Anleger sollten sich vorerst auf eine Berg- und Talfahrt einstellen. Die 21-Tage-Linie als stabilisierender Faktor verläuft bei 12.220 Zählern, auch ein Rücklauf an die Schwelle bei 12.000 Punkten ist durchaus möglich. Weitere potenzielle Stabilisierungszonen verlaufen bei 11.850 und besonders 11.400/11.500 Zählern. Erst wenn auch hier keine Gegenbewegung einsetzt, steigt die Gefahr einer größeren Korrektur mit Ziel 10.800 Punkte.

 

 

Autor: Feingold Research

Die oben erwähnten Markteinschätzungen und Inhalte spiegeln ausschließlich die Meinung des Autors wider und nicht die von ayondo. Dieser Service ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und stellt keine Beratung oder Investmentempfehlung dar.

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