Commerzbank – Analyse

Commerzbank: Hedgefonds wittern ihre Chance

Im März 2000 notierte die Commerzbank-Aktie bei 263 Euro. Der Rekord dürfte wohl noch viele Jahre unerreichbar bleiben. Mit minus 95 Prozent Abstand zur Bestmarke weist die Commerzbank die mit Abstand schlechteste Bilanz aller 30 DAX-Titel auf. Zahlreiche Kapitalerhöhungen seit der Finanzkrise haben tiefe Spuren hinterlassen. Inzwischen greifen aber die eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen, mit knapp 50 Prozent Gewinn seit Jahresanfang liegt die Aktie derzeit auf dem dritten Platz im Performance-Ranking.

Doch damit dürfte die Turnaround-Story noch nicht vorbei sein. Zehn Jahre nach der Finanzkrise hellen sich die Perspektiven für die Banken wieder auf, gerade bei der Commerzbank hat das Management schon einige Hürden genommen. Exemplarisch zeigte sich dies im Zahlenwerk des zweiten Quartals: Nach Gewinnen von 209 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum fiel nun ein Netto-Minus von 637 Mio. Euro an. Auf den ersten Blick enttäuschend, unter der Lupe betrachtet aber ein gutes Zeichen. Denn die Bank kommt beim Personalabbau schneller voran als erwartet. Rund 807 Mio. Euro für den Umbau, die Digitalisierung und den geplanten Stellenabbau wurden als Rückstellungen im zweiten Quartal eingebucht, ein großer Unsicherheitsfaktor fällt damit weg. Ursprünglich hatte die Bank mit 1,1 Mrd. Euro aufgeteilt auf die Jahre 2017 und 2018 gerechnet. Auch der Abbau des Schiffskreditportfolios kommt schneller voran, bis Ende 2017 soll die Summe von derzeit 3,9 auf drei Mrd. Euro sinken.

Gewinner einer möglichen Zinswende

Künftig dürften die Kosten weiter fallen, die Commerzbank setzt stark auf Digitalisierung. Mit Kerem Tomak hat das Finanzhaus einen erfahrenen Manager an Bord geholt, der zuvor bei Google und Yahoo viel Erfahrung gesammelt hat. Doch nicht nur die Entwicklung bei den Kosten zeigt in die richtige Richtung, auch der Gewinn könnte bald spürbar zulegen. Zünglein an der Waage ist die EZB. Sollten die Strafgebühren auf Tagesgeldeinlagen entfallen, dürfte dies nach Schätzung der UBS das Nettozinseinkommen der Commerzbank um 250 Mio. Euro steigern. Auch eine Reduzierung der Anleihekäufe und damit anziehende Zinsen würden ähnlich wie bei der Deutschen Bank positiv auf die Erträge wirken. Der Blick auf die Kapitalstruktur fällt schon jetzt erfreulich aus: Trotz der Kosten für den Konzernumbau legte die harte Kernkapitalquote von 12,5 auf 13 Prozent zu. Im Gesamtjahr rechnet die Bank mit einem leicht positiven Konzernergebnis.

Der erste Hedgefonds hat zugeschlagen

Ob die Commerzbank-Aktie ihre Klettertour der vergangenen Monate fortsetzt, hängt somit wesentlich von der Zinsentwicklung und damit der weiteren Geldpolitik ab. Doch damit nicht genug, auch großen Finanzinvestoren sind die jüngsten Erfolge natürlich nicht entgangen. Ende Juli ist der US-Hedgefonds Cerberus mit gut fünf Prozent eingestiegen und nach dem deutschen Staat, der knapp 16 Prozent hält, der zweitgrößte Aktionär. Cerberus gilt als aggressiver Investor, der den Konzernumbau weiter forcieren wird und auch beim Thema Dividende Druck ausüben dürfte. Zudem kamen zuletzt immer wieder Gerüchte auf, der Bund könnte sich nach der Wahl im September aus der Commerzbank zurückziehen. Für das Paket von gut zwei Mrd. Euro dürfte es einige Interessenten geben.

Damit bieten die Papiere der Commerzbank für Anleger einen außergewöhnlich attraktiven Mix, der nur selten bei DAX-Aktien zu finden ist. Technisch sieht die Lage ohnehin gut aus, seit gut zwölf Monaten zeigt der Trend wieder aufwärts. Aktuell testet der Wert die untere Grenze eines Aufwärtskanals, die bei rund 10,80 Euro verläuft. Selbst wenn der Nachkaufbereich unterboten wird, bleibt die Einschätzung positiv. Die nächste, relevante Umkehrzone liegt dann rund 15 Prozent tiefer bei etwa 9,20 Euro. Aber erst wenn die Aktie wieder unter das Ausbruchsniveau und damit die steigende 200-Tage-Linie bei rund 8,50/8,65 Euro fallen sollte, wäre das positive Szenario nicht mehr intakt. Gerade mittelfristige Anleger können daher Korrekturen zum Einstieg nutzen.

Autor: Feingold Research

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