Apple – Aktienanalyse

Apple: Die Wette auf den Superzyklus

Keine Frage: Wer sich mit der Apple-Aktie beschäftigt, muss in großen Dimensionen denken. Dies gilt nicht nur für den Börsenwert oder die Umsätze des Konzerns, sondern auch mit Blick auf das neue iPhone. Sollten Anleger trotzt der jüngsten Rekordjagd noch einsteigen?

Während der US-Leitindex S&P 500 seit einigen Tagen nicht mehr so richtig in Schwung kommt, herrscht bei den Technologieaktien ungebrochener Optimismus. Selbst die großen Tech-Giganten wie Amazon, Alphabet und Apple werden immer teurer, wobei der iPhone-Hersteller in einer eigenen Liga spielt. Apple wird an der Börse mit rund 780 Mrd. Dollar bewertet, der DAX kommt insgesamt auf rund 1300 Mrd. Dollar. Steigt die Apple-Aktie um ein Prozent, legt der Börsenwert um 7,8 Mrd. Dollar zu. Dies entspricht fast der gesamten Marktkapitalisierung der Deutschen Lufthansa.

Trotz dieser beeindruckenden Bewertungsdimensionen bleibt die Aktie begehrt. Innerhalb von zwölf Monaten kletterte der Kurs um knapp 60 Prozent auf 148 Dollar. Kein anderer Wert im Dow Jones legte ähnlich kräftig zu. Selbst die eher durchwachsenen Zahlen für das zweite Quartal, die Apple am Dienstag meldete, ändern wenig an der guten Stimmung.

Kein Grund zur Sorge

Der Umsatz legte um 4,6 Prozent auf 52,9 Mrd. Dollar zu und blieb damit unter den Erwartungen von 53 Mrd. Dollar. Auch den überraschenden Rückgang beim iPhone-Absatz von 51,2 auf 50,8 Millionen Stück dürften Anleger verschmerzen. Denn trotzt der schwächeren Nachfrage kletterte der Smartphone-Umsatz um gut ein Prozent, weil der durchschnittliche Verkaufspreis von 642 auf 655 Dollar zulegte. Rund 80 Prozent der weltweit erzielten Gewinne mit Smartphones fließen in die Kasse von Apple, obwohl der Konzern nur einen Weltmarktanteil von 18 Prozent hat.

Heißer Herbst in Sicht

Auch das laufende dritte Quartal wird noch in ruhigen Bahnen verlaufen. Apple rechnet mit Umsatzerlösen von 43,5 bis 45,5 Mrd. Dollar. Entscheidend für die Aktie ist nur die Euphorie um den bevorstehenden Modellwechsel zum neuen iPhone, das üblicherweise im September oder Oktober an den Start geht. Allerdings kamen zuletzt auch immer wieder Spekulationen über Verspätungen auf. Sollte es zu Lieferschwierigkeiten bei Komponenten kommen, wird das neue Gerät wohl erst 2018 vorgestellt.

Die Erwartungen sind jedenfalls schon jetzt enorm, zum zehnjährigen Geburtstag des iPhone hoffen Fans auf ein ganz besonderes Jubiläums-Smartphone. Nahezu täglich gibt es neue Gerüchte, einige Experten sehen bereits einen neuen „Superzyklus“. Zunehmend mehr Nutzer könnten ihr altes Gerät ersetzen und von Android-Smartphones zu Apple wechseln. Neben technischen Details sind der Preis und die Verkaufszahlen wichtig. Schätzungen zufolge dürfte Apple für das nächste iPhone rund 900 Dollar aufrufen und auf einen Absatz im neuen Geschäftsjahr von rund 260 bis 264 Millionen Stück hoffen. Im laufenden Jahr dürften nur etwa 211 Millionen Geräte über die Ladentheke gehen.

Die zuletzt rückläufigen Verkaufszahlen sind daher nicht beunruhigend, viele Kunden werden erst das neue iPhone abwarten. Aktionäre können sich zudem über eine Erhöhung der Quartalsdividende um 10,5 Prozent auf 63 Cent freuen. Zudem wird das Volumen des Aktienrückkauf-Programms von 175 auf 210 Mrd. Dollar aufgestockt. Mit einem 2018er-KGV von 15 ist die Aktie weiterhin vergleichsweise günstig. Berücksichtigt man noch den hohen Gewinnberg von gut 250 Mrd. Dollar, sinkt das bereinigte KGV auf etwa zwölf. Ohnehin stellen die Reserven einen weiteren Kurstreiber dar. Rund 93 Prozent liegen außerhalb der USA. Sollte die US-Steuerreform kommen, dürfte Apple neu über die Verwendung nachdenken.

Aufwärtsdynamik sollte bald nachlassen

Unter dem Strich bietet das Schwergewicht trotz der seit Monaten laufenden Rally noch Fantasie. Gerade in den drei Monaten vor einer iPhone-Markteinführung läuft die Aktie meist gut, im Durchschnitt klettert der Kurs um 20 Prozent. Anschließend und somit meist im Herbst geht der Wert häufig in eine Konsolidierung über.

Technisch ist das Schwergewicht aber schon jetzt leicht überhitzt. Der Abstand von 22 Prozent zur 200-Tage-Linie mahnt zur Vorsicht. Seit Sommer 2012 gönnte sich der Wert mehrfach ab einer Differenz von 22 bis 29 Prozent eine Atempause. Unterstützungen zeigt der Chart bei 137 bis 140 Dollar. Sollte der Kurs weiter zurückfallen, ist allerdings erst wieder im Dunstkreis des 200-Tage-Durchschnitts bei derzeit 120 Dollar mit einer Stabilisierung zu rechnen.

Autor: Feingold Research

Die oben erwähnten Markteinschätzungen und Inhalte spiegeln ausschließlich die Meinung des Autors wider und nicht die von ayondo. Dieser Service ist ausschließlich zu Informationszwecken bestimmt und stellt keine Beratung oder Investmentempfehlung

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